Die Ankunft - 6.8.2013

 Die Sicht aus dem Bus:

Nach etlichen Stunden der Reisestrapazen ist es also endlich soweit. Um 15:30 entsteige ich dem kleinen SAS Flugzeug und muss erst mal schmunzeln. Es ist bereits viel geschrieben und sinniert worden über Bergen, die verregneteste Stadt Norwegens (oder gar Europas?), doch muss sich das Klischee so eindrucksvoll bestätigen? In Berlin mit gefühlten 25 Grad gestartet (7 Uhr morgens!) waren es in Kopenhagen bei der Zwischenlandung mindestens noch 22 Grad und schönster Sonnenschein. Nun jedoch eröffnet sich ein trister Blick auf einen wolkenbedeckten Himmel und ekliger Nieselregen benetzt meine Haut beim Gang vom Flugzeug zur Treppe vom Terminal. Wie gut dass ich meine Sonnencreme nicht vergessen und an ebenso viele kurze wie lange Hosen gedacht habe. Das fängt ja gut an. Schließlich verlasse ich den mir aus Kindheitstagen wohl bekannten Flughafen inklusive meiner beiden absolut unhandlichen und damit auch unpraktischen Koffer, wovon ich den einen immerhin mit viel Mühe als Handgepäck hatte verkaufen können. (Das gesparte Geld erfreute sich jedoch nicht lange meines Besitztums: Als mich der Hunger in Kopenhagen überwand verlangte die nette Bedienung doch sage und schreibe 22 Euro für einen Burger mit Pommes. Die Addition von skandinavischen und Flughafenpreisen tut meinem Erparten absolut nicht gut). Leicht frierend aufgrund meiner falschen Kleidungswahl (ich erdreistete mich, es im August bei T-Shirt und kurzer Hose zu belassen) gelange ich schließlich zum Flybussen, der mich von Flesland ins Zentrum Bergens bringen soll. Der Busfahrer verlangt jedoch, dass ich mit Karte bezahle. Ich mache ihm deutlich, dass ich nur norwegisches Bargeld besitze und strecke ihm dabei meinen Geldbeutel entgegen. Der Busfahrer, ein grimmiger Mann kurz vor dem Ruhestand, zögert nicht lang, greift nach einem 50 Krone-Schein und winkt ab. So ganz legal scheint die Aktion nicht zu sein; so erinnert sie mich an die Erfahrungen, die ich bei einer Ukrainereise 2012 gemacht hatte. Mir soll es aber recht sein, fahre ich nun schließlich für 30 Kronen weniger als der Normalpreis es verlangt ans gewünschte Ziel, dem Festplassen in Bergenzentrum. Die Zeit nutze ich, um die Landschaft zu bewundern. Hier ist alles anders als im großen Berlin. Kleine rotte Holzhäuser, Meerengen und Felsen reihen sich an Hügel, die von unheimlichen Nebel umgeben werden, so dass man erwartet, Peer Gynt persönlich inklusive Trollbegleitung werde einem dort oben begegnen. In Bergen angekommen ziehe ich mühsam meine Koffer den Nygårdshaugen hinauf, bis ich beim „Studiesentere“ (richtig, Studierendencenter, so schwer ist norwegisch nicht) ankomme. Dort sehe ich auch schon die ersten weiteren Studenten, die, wie könnte es anders sein, auch deutsche sind. Gemeinsam geht es nach der Schlüsselübergabe nach Fantoft, einer etwas außerhalb Bergen liegenden rein studentischen Hochhaussiedlung. Dort verabschiede ich mich von den neuen Weggefährten und mache mich auf den Weg zu meinem Zimmer. Im Flur vor selbigem begegne ich einem Großteil meiner neuen WG-Mitbewohner, falls man das so nennen darf, wenn man sich zu acht eine Küche teilt. Die erste Sprache, die an mein Ohr dringt, ist, wie könnte es anders sein, deutsch. Tja, da zieht man nach Bergen und ist wieder von Deutschen umgeben. Jedoch gibt es auch einige Holländer sowie einen jungen Mann aus Äthiopien. Man wird sehen, wie sich das weiterentwickelt. Immerhin, das Zimmer ist geräumig und mit eigenem Badezimmer, in welchem das Klo beim Duschen komplett überschwemmt wird. Es ist deutlich größer als die gefürchteten 8 qm, das tröstet darüber hinweg, dass weder Bettbezug noch eine Decke und ein Kopfkissen an sich vorhanden sind. Super, da kann ich morgen gleich mal einen Ausflug zum IKEA machen. Nach einem Informationstreffen mit vielen weiteren Holländern und Deutschen (meine Güte, ist ganz Aachen nach Bergen gezogen?) und ständigem Austausch von Namen, die man schon beim Hören vergisst, nicht aus Böswilligkeit, sondern der Fülle wegen, und einer leckeren Spaghettimalzeit aus der mitgebrachten Fertigpackung mit einem der Mitbewohner gehe ich schließlich völlig ermüdet zu Bett. Ein Handtuch als Decke sowie ein Pullover als Kopfkissen können hervorragend funktionieren, wenn man nur müde genug ist. Schade nur, dass ich noch keine einzige norwegische Person getroffen habe, bis auf den netten Busfahrer. Man darf gespannt sein, was die nächsten Tage und Wochen bringen werden.

 Lille Lundegårdsvann beim Festplassen

 Der Nebel

7.8.13 23:06

bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Jon (7.8.13 23:30)
Na dann. Irgendwann scheint auch in Bergen die Sonne. Und Norweger gibt es da auch...

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